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Vermächtnis

Eine Liebe zum Tal

Mein Vater kam in den frühen 1960er-Jahren zum ersten Mal ins Valle Onsernone. Die Strasse war eine Schotterpiste, der Abgrund nur mit Leitsteinen markiert.

Campanile von Berzona im Valle Onsernone mit herbstlicher Tessiner Landschaft
Campanile, Berzona. Foto: Christoph Walser

In den 1970er-Jahren mieteten meine Eltern jeden Sommer ein Haus in Berzona. Wandern, im kalten Bach baden, abends auf der Veranda sitzen. Im Herbst roch es in den Dörfern nach Holzfeuer.

Der Entschluss zum eigenen Haus

Anfang der 1980er-Jahre wollten meine Eltern ein eigenes Haus im Tessin. Beide waren Ärzte mit Praxis in Zürich. Sie besichtigten mehrere Objekte. Keines passte. Also bauten sie selbst.

1985 fanden sie die Parzelle am unteren Dorfrand von Loco. Terrassierter Weinberg, Blick ins Tal. Sie fürchteten eine Umzonung und suchten schnell einen Architekten.

Musik, Literatur, Theater und Architektur gehörten zu ihrem Leben. Die Tessiner Schule erlebte damals ihre Blüte. Sie sahen sich Häuser von Luigi Snozzi und Livio Vacchini an und trafen beide mehrmals. Mario Botta war meinem Vater zu monumental.

Porträt des Tessiner Architekten Luigi Snozzi aus dem Jahr 2010
Luigi Snozzi, 2010

Sie entschieden sich für Snozzi. Sie mochten das Bauhaus und seine klare Formsprache. Und sie schätzten, dass er mit der Topografie des Tals arbeitete.

Planung und Bau

1985 begann die Planung. Die vielen Skizzen zeigen, wie lange sie gerungen haben. Mein Vater wollte einen Kamin in der Küche. Snozzi war strikt dagegen. Bis mein Vater einwandte, alte Tessiner Küchen hätten ihre Feuerstelle genau dort. Snozzi gab nach.

Planskizzen und Baupläne der Casa Walser aus dem Entwurfsprozess mit Luigi Snozzi
Planskizzen. Foto: Christoph Walser

Die Bauherren waren sich nicht immer einig. Mein Vater wollte warmes Eichenparkett, meine Mutter das durchgehende Schwarz-Weiss. Sie setzte sich durch. Dafür bekam er die Farben in den Schlafzimmern.

Sie bauten das Haus mit über fünfzig. Ausrangierte Möbel kamen ihnen nicht ins Ferienhaus. Sie richteten es komplett mit italienischen Designmöbeln von Knecht Arredamenti in Locarno ein. Auf Spülmaschine, Waschmaschine und Stereoanlage verzichteten sie nicht.

Beim Bau half ein Zufall. Der damals längste Kranausleger im Tessin reichte bis in die Baugrube. Das ersparte teure Helikopterflüge.

Einweihung und Erbe

1986 feierten sie die Einweihung mit über sechzig Gästen. Apéro im Haus, Abendessen im Ristorante Centovalli in Ponte Brolla, am nächsten Morgen eine Führung auf dem Monte Verità.

Dr. Gertrude und Dr. Peter Walser in Loco im Valle Onsernone
Gertrude und Peter Walser, Loco. Foto: Christoph Walser

2021 waren meine Eltern zum letzten Mal hier, beide über achtzig. Wir assen gemeinsam Steinpilzrisotto im Centovalli. Heute liegen sie auf dem kleinen Friedhof unterhalb von Berzona.

Nun gehört das Haus mir. Meine Eltern haben es aus Liebe zu diesem Tal gebaut. Ich öffne es für Gäste, die gute Architektur mögen und sie an diesem wunderschönen Ort erleben wollen.

Natursteinmauer und Textur im Valle Onsernone als Abschlussbild des Vermächtnisses der Casa Walser