Das Valle Onsernone ist eines der wildesten und stillsten Täler des Tessins. Steile Hänge, Kastanienwälder und terrassierte Rebberge prägen die Landschaft. Tief unten windet sich der Isorno durchs Tal, gespeist von zahllosen Bächen, die sich über Granitbecken und Wasserfälle ihren Weg durch die Felsen suchen. Im Sommer findest Du hier kühle Wasserstellen, im Herbst liegt der Duft von Holzfeuern in der Luft.

Zwischen Armut und Schönheit
Die Terrassen erzählen vom harten Leben im Tal. Über Jahrhunderte trieb Armut viele Menschen in die Fremde: nach Frankreich, in andere Teile Europas oder nach Amerika. Im 18. und 19. Jahrhundert versuchten die Bewohner, mit Strohflechten und dem Verkauf von Strohhüten ein Einkommen zu erzielen. Diese Geschichten bewahrt das Museo Onsernonese in Loco.
Wenn Du heute durch das Tal gehst, siehst Du beides: die Schönheit der Landschaft und die Spuren eines Lebens, das hier lange entbehrungsreich war. Steinmauern, alte Wege, kleine Dörfer und verlassene Terrassen machen sichtbar, wie eng Natur, Arbeit und Überleben im Valle Onsernone zusammengehörten.


Ganz hinten im Tal
Ganz hinten im Tal, eine halbe Stunde zu Fuss hinter Spruga, liegen auf italienischem Boden die Ruinen der Bagni di Craveggia. Das ehemalige Kurhotel schloss 1921. Heute sind die Ruinen stille Zeugen einer anderen Zeit, auch der tragischen Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Künstler und Schriftsteller
Vielleicht war es gerade diese Abgeschiedenheit, die das Tal für Künstler und Schriftsteller so anziehend machte. Berzona, der Nachbarort von Loco, wurde zum Dorf der Dichter. Golo Mann, Alfred Andersch und Max Frisch fanden hier ihre Rückzugsorte.
Das mondäne Ascona ist weit weg. Im Valle Onsernone findest Du eine andere Art von Tessin: stiller, rauer, weniger bequem, aber vielleicht gerade deshalb so stark. Es ist ein Tal, das Dir Raum lässt zum Gehen, Lesen, Schreiben, Denken oder einfach zum Schauen.

Heute
Das Valle Onsernone hat seine Ursprünglichkeit bewahrt. Die schmale Strasse, die sich durch das Tal windet, ist heute asphaltiert, aber das Tal selbst bleibt ein Ort der Entschleunigung. Du kommst nicht hierher für Trubel, sondern für die Stille zwischen Granitfelsen, Kastanienbäumen und alten Dörfern.
Vielleicht findest Du hier etwas von der Stille, die Künstler, Schriftsteller und viele andere immer wieder ins Valle Onsernone geführt hat: eine Landschaft, die nicht laut ist, aber lange nachwirkt.
