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Valle Onsernone

Das Valle Onsernone ist eines der wildesten und stillsten Täler des Tessins. Steile Hänge, Kastanienwälder und terrassierte Rebterrassen prägen die Landschaft. Tief unten windet sich der Isorno durchs Tal, gespeist von zahllosen Bächen, die sich über Granitbecken und Wasserfälle den Weg über die Felswände suchen. Im Sommer ein kühlendes Bad, im Herbst der Duft von Holzfeuern.

Foto: Christoph Walser

Zwischen Armut und Schönheit

Die Terrassen erzählen vom harten Leben im Tal. Über Jahrhunderte trieb Armut die Menschen in die Fremde – sei es, um unter Napoleon in Frankreich zu kämpfen, oder in Amerika ein neues Leben aufzubauen. Im 18. und 19. Jahrhundert versuchten die Bewohner, mit Strohflechten und dem Verkauf von Strohhüten ein Einkommen zu erzielen. Diese Geschichten bewahrt das Museo Onsernonese in Loco.

Foto: Christoph Walser
Foto: Christoph Walser

Ganz hinten im Tal, eine halbe Stunde zu Fuss hinter Spruga, liegen auf italienischem Boden die Ruinen der Bagni di Craveggia – ein ehemaliges Kurhotel, das 1921 schloss. Stille Zeugen einer anderen Zeit, auch der tragischen Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Foto: Christoph Walser

Künstler und Schriftsteller

Vielleicht war es gerade diese Abgeschiedenheit, die das Tal für Künstler und Schriftsteller so anziehend machte. Berzona, der Nachbarort von Loco, wurde zum Dorf der Dichter: Golo Mann, Alfred Andersch und Max Frisch fanden hier ihre Rückzugsorte. Das mondäne Ascona ist weit weg. Hier findet man Ruhe in der Natur – und Raum zum Denken.

Foto: Christoph Walser

Heute

Das Valle Onsernone hat seine Ursprünglichkeit bewahrt. Die schmale Strasse, die sich durch das Tal windet, ist heute asphaltiert, aber das Tal selbst bleibt ein Ort der Entschleunigung. Wer hierher kommt, sucht nicht den Trubel, sondern die Stille zwischen Granitfelsen und Kastanienbäumen. Und findet vielleicht, was Alfred Andersch und Max Frisch hier suchten – und was die Familie Walser so tief bewegte.

Foto: Christoph Walser